Alexander Berger, CEO SMART DATA Deutschland GmbH

16.09.2022

Viele Entscheider stehen früher oder später vor der Frage, ob und wie (intern, extern) sie in das Thema Notfall- und Krisenmanagement im Unternehmen investieren wollen. Dabei sind ein paar grundlegende Überlegungen hilfreich, die wir im Folgenden kurz beleuchten wollen. Und natürlich tauch auch immer die Frage der Kosten-Nutzen-Relation auf.

Grundlage

Für Unternehmen, die besondere gesetzliche Vorschriften zu berücksichtigen haben, stellt sich überhaupt nicht die Frage ob, sondern nur wie und wie weitreichend sie ihr Notfall- und Krisenmanagement gestalten wollen. Das Ziel ist mindestens „compliant“ mit den geltenden Vorschriften zu sein. Für alle anderen ist es zumeist optional.

100% Schutz? 

Aufgeräumt haben mit dieser Illusion vermutlich schon die allermeisten unter uns: Ein Notfall- und Krisenmanagement schützt nicht und auch präventive Maßnahmen können niemals einen 100%igen Schutz gewährleisten. Das haben eine ganze Reihe von Ereignissen in der jüngeren Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen. Genau aus dieser Erkenntnis resultiert letztlich auch die Fragestellung, ob es sinnvoll sein könnte (und wenn ja, in welchem Maße) in ein Notfall- und Krisenmanagement System im Unternehmen zu investieren.

Was ist die Aufgabe eines Notfall- und Krisenmanagements im Unternehmen?

Grundsätzlich gibt es natürlich einen Unterschied zwischen Notfällen und Krisen und auch die Implementierung entsprechender Prozesse sieht anders aus. Allerdings hat die Entscheidung für oder wider das Engagement im jeweiligen Bereich sehr ähnliche Elemente:
Im Kern geht es um die Frage, wie viel Sie als Unternehmen vorbereitend aufwenden wollen, um für den unwahrscheinlichen Fall eines Notfalls oder einer Krise besser aufgestellt zu sein als ohne diese Vorbereitung.

Die Aufgabe eines Notfallmanagements bzw. Krisenmanagements ist es nämlich, in Momenten, in denen Ihr Unternehmen mit einer entsprechenden Situation konfrontiert wird durch eine Art „Sonderorganisation“ dafür zu sorgen, dass

  1. Sie schnell und angemessen reagieren können,
  2. Leib und Leben geschützt werden,
  3. Schäden minimiert werden,
  4. die Reputation Ihres Unternehmens bestmöglich geschützt wird und
  5. Ihre Leistungsfähigkeit so schnell als möglich wieder hergestellt wird. 

Daraus geht unmittelbar hervor, dass die Arbeit in diesem Bereich zu wesentlichen Teilen aus Vorbereitung, Übung, Anpassung/Optimierung besteht. Die Planung, Organisation, Dokumentation und Sicherstellung entsprechender Prozesse immer vor dem Hintergrund der Entwicklung relevanter Risiken ist die Kernaufgabe. Es scheint etwas paradox: Man baut ein Konzept auf, das man hofft nie zu brauchen. Und doch treten solche Situationen eben hin und wieder ein – mal häufiger, dann länger nicht. Investieren, um vorbereitet zu sein müssen Sie kontinuierlich. Es gibt jedoch Studien, die anhand wirtschaftlicher Erfolgs-Kennzahlen belegen, dass es sich langfristig auszahlt, in Notfall- und Krisenmanagement besonders gut zu sein.

Jedes Unternehmen muss anhand seines spezifischen Tätigkeitsfeldes und seiner Risiken für sich entscheiden, wie umfassend ein solches Managementkonzept betrieben werden soll. Wichtige Parameter sind der Einsatz von internen vs. externen Ressourcen sowie die Nutzung digitaler Lösungen zur Unterstützung bestimmter Prozesse. 

Sie erahnen es schon, um Kosten-Nutzen bewerten zu können müssen Sie sich der Frage annähern, mit welcher Wahrscheinlichkeit welche Szenarien eintreten könnten und wie diese Ihr Unternehmen gesamtheitlich betreffen würden. Wo greifen Versicherungen, wo können Sie selbst lenkend eingreifen, wo gibt es Unbekannte? Keine leichte Aufgabe, der Sie sich mit einigen Methoden annähern können, sie wohl aber nie vollständig „in Zahlen“ beantworten können.
Deshalb ist es am Ende immer auch ein Stück Philosophie oder persönliche Präferenz, ob Unternehmen die Ambition haben, in Notfällen und Krisen besonders gut dazustehen. Durch das Committment von Führungskräften bekommt das Thema in Unternehmen erst so richtig Nachdruck verliehen.

Was jedoch jedem Unternehmen helfen kann: Bei der Erarbeitung eines entsprechenden Konzepts erhält man immer einen sehr guten Überblick über alle regulären Prozesse und Organisationen im Unternehmen. Dabei ist schon so manchem aufgefallen, dass das Unternehmen sich auch operativ mit einfachen Maßnahmen nochmal verbessern kann. Umso schöner, wenn diese Schritte dann auch noch zur eigenen Resilienz beitragen.